Ausgabe 01 / 2025

Smart Farming in der Ostschweiz: Innovation, Forschung und Praxis

Michael Breu

Die Ostschweiz ist ein Vorreiter in der Entwicklung und Implementierung von Smart-Farming-Technologien, die zu einer nachhaltigeren, effizienteren und wettbewerbsfähigeren Landwirtschaft beitragen. Mit der Eröffnung des ISF Institut für Intelligente Systeme und Smart Farming der OST – Ostschweizer Fachhochschule wurde Ende November 2024 ein Meilenstein für den Forschungs- und Innovationsstandort Thurgau gesetzt.

In der Ostschweiz zählen Maschinen und Sensoren, die von einem globalen Navigationssatellitensystem (GNSS) gesteuert werden, zu den am häufigsten eingesetzten Smart-Farming-Technologien. Sie ermöglichen präzise Feldarbeit und liefern Daten zu Bodenbeschaffenheit, Pflanzenwachstum und Umweltbedingungen. «Diese Informationen werden oft in mobile Apps integriert, die eine einfache Überwachung und Steuerung der Betriebsabläufe ermöglichen. Datengestützte Entscheidungsfindung sorgt dafür, dass Landwirtinnen und Landwirte nachhaltiger wirtschaften können und gleichzeitig ihren Arbeitsaufwand reduzieren», erklärt Dejan Šeatovi, Leiter des ISF Institut für Intelligente Systeme und Smart Farming an der OST.

Die Integration solcher Technologien in den Arbeitsalltag von Landwirtinnen und Landwirten wird durch Institutionen wie das ISF vorangetrieben. «Das Institut nutzt den ‹Living Lab›-Ansatz, bei dem Forschung und Entwicklung direkt in laufende Landwirtschaftsbetriebe eingebettet werden», so Šeatovi. Diese enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis fördere den Wissenstransfer und ermögliche innovative Lösungen für die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft.

Herausforderungen und Potenziale in der Berglandwirtschaft

Besonders in der Berglandwirtschaft steht Smart Farming vor besonderen Herausforderungen. «Steile Hänge, fragmentierte Flächen und schwierige Wetterbedingungen erschweren die Implementierung. Gleichzeitig bieten Technologien wie robuste Sensoren, autonome Roboter und Deep-Learning-Methoden grosses Potenzial, um auch in diesen Regionen Effizienz und Nachhaltigkeit zu fördern», sagt der Leiter des ISF. Das ISF sehe hier noch erhebliches Entwicklungspotenzial und arbeite daran, praxisnahe Lösungen für diese spezifischen Anforderungen zu entwickeln.

Nachhaltigkeit und der ökologische ­Fussabdruck

Smart Farming trägt massgeblich zur Reduzierung des ökologischen Fussabdrucks der Landwirtschaft bei. Präzise Technologien wie GNSS-gesteuerte Maschinen und Sensoren minimieren den Einsatz von Wasser, Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln, was den CO₂-Ausstoss verringert und die Umwelt schont. Diese Innovationen verbessern zudem die Resilienz der Landwirtschaft gegenüber klimatischen Veränderungen und schützen den Boden vor Überbeanspruchung.

Eröffnung des ISF: Ein Meilenstein für den Thurgau

Die feierliche Eröffnung des ISF Institut für Intelligente Systeme und Smart Farming Ende November 2024 markiert einen Wendepunkt für die Forschungslandschaft im Thurgau. Die Thurgauer Regierungsrätin Denise Neuweiler bezeichnete das Institut als «markanten Eckstein» in der Hochschul- und Forschungsstrategie des Kantons. Das ISF ergänzt den Forschungsstandort Tänikon, der bereits durch Agroscope und die Swiss Future Farm geprägt ist. Diese Einrichtungen arbeiten künftig eng zusammen, um den Wissenstransfer und die technologische Innovation in der Landwirtschaft zu fördern.

Der Institutsleiter, Professor Dr. Dejan Šeatovi, betonte die Bedeutung eines beschleunigten Wissenstransfers aus der Grundlagenforschung in die Praxis. Die Landwirtschaft stehe unter immensem Druck, vielfältige Anforderungen zu erfüllen – von Umwelt- und Klimaschutz bis hin zu Wettbewerbsfähigkeit und Nahrungsversorgungssicherheit. Mit seiner strategischen Ausrichtung auf die gesamte Farm-to-Food-Kette soll das ISF als Brücke zwischen Forschung und Praxis fungieren.

Innovationsforum Ernährungswirtschaft

Parallel zur Eröffnung des ISF fand das fünfte Innovationsforum Ernährungswirtschaft statt, das unter dem Motto «Intelligente Lösungen für die Praxis» stand. Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen präsentierten praxisnahe Anwendungen, die das Potenzial von Technologien wie Drohnen, Robotern, KI und Automatisierung verdeutlichten. Das Forum unterstreicht die zentrale Rolle von Forschung und Innovation für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.

Walter Schönholzer, Regierungsratspräsident des Kantons Thurgau, erinnerte daran, dass der Weg zum heutigen Erfolg im Jahr 2020 mit der Lancierung des Innovationsforums Ernährungswirtschaft begann. Dieses Forum wird ab 2026 in die Verantwortung des ISF übergehen, was die enge Verbindung zwischen dem Institut und der regionalen Wirtschaft weiter stärkt.

Zukunft des Smart Farming in der ­Ostschweiz

Das ISF strebt an, Smart-Farming-Technologien zugänglicher und erschwinglicher zu machen, um sie breit in der Landwirtschaft zu etablieren. Ziel ist es, diese Technologien vom Nischenmarkt zu einem Standard zu entwickeln, der langfristig positive Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft hat. Mit seinem praxisnahen Ansatz und der engen Kooperation mit regionalen und internationalen Partnern ist das ISF gut positioniert, um die Ostschweiz als führenden Standort für innovative und nachhaltige Landwirtschaft zu etablieren.

Smart Farming repräsentiert nicht nur technologischen Fortschritt, sondern auch eine Vision für eine nachhaltige und resiliente Landwirtschaft. Das Zusammenspiel von Forschung, Praxis und Politik in der Ostschweiz zeigt, wie innovative Ansätze zu realen Lösungen für die Herausforderungen der modernen Landwirtschaft führen können. 

Kontakt

Prof. Dr. Dejan Šeatovi 
Leiter ISF Institut für Intelligente Systeme und Smart Farming
dejan.seatovic@ost.ch
 

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