«Mit Innovationen Hochschulen voranzubringen, ist meine Leidenschaft»: Das schreiben Sie auf LinkedIn. Wohin möchten Sie das Departement ABLR weiterentwickeln?
Stefanie Graf: Das Departement Architektur, Bau, Landschaft, Raum soll zur klimaresilienten und nachhaltigen Gestaltung des Lebensraums in der Schweiz beitragen. Es bildet Fach- und Führungskräfte in Bau und Planung aus und weiter. Zudem stärkt es den Wissens- und Technologietransfer in profilbildenden Schwerpunkten. Es soll dabei insbesondere interdisziplinäre Lösungsansätze entwickeln.

Sie sind seit 2020 im Departement tätig, seit November 2024 interimistisch und seit Dezember 2025 definitiv als Leiterin. Wo sehen Sie das Potenzial in Ihrer neuen Rolle als Departementsleiterin?
Ich freue mich, als Departementsleiterin die strategische Planung und Umsetzung von Aus- und Weiterbildungen sowie die Förderung von Forschung und Innovation für das Berufsfeld zu verantworten. Ich darf das mit einem eingespielten und hochmotivierten Team von Professorinnen und Professoren, Dozierenden, wissenschaftlichen und administrativen Mitarbeitenden tun. Mit unserem Engagement, der guten Zusammenarbeit und einer klaren Ausrichtung auf unsere gemeinsamen Ziele nutzen wir unsere Gestaltungsmöglichkeiten und stellen uns für die Zukunft auf.
Die OST zeichnet sich durch eine grosse fachliche Breite aus und hat eine Grösse, die den persönlichen Kontakt trotzdem gut ermöglicht.
Prof. Stefanie Graf, Leiterin Departement Architektur, Bau, Landschaft, Raum
ABLR ist fachlich sehr breit aufgestellt – von Architektur über Bauingenieurwesen und Landschaftsarchitektur bis Raumplanung. Wie stark braucht es bei dieser Vielfalt strategische Orchestrierung?
Unser Departement ist in der Fachhochschullandschaft einzigartig: Alle vier Planungsdisziplinen sind mit Aus- und Weiterbildungen sowie eigenen Forschungsschwerpunkten unter einem Dach vereint. Den Lebensraum zu gestalten, ist unser aller Auftrag. Dies gilt es zu koordinieren – ohne dabei die Vielfalt, die ich als grosse Stärke erachte, zu verlieren. Die grossen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimaanpassung, Urbanisierung, Ressourcenknappheit oder auch der demografische Wandel sind für alle Disziplinen die dominierenden Themen. Die strategische Orchestrierung ist also wichtig, denn nur eine ganzheitliche, interdisziplinäre Denkweise ermöglicht eine Weiterentwicklung der Branche.
Der ökonomische Aspekt wird nach wie vor allzu oft als Gegner einer nachhaltigen Bau- und Planungspraxis verstanden.
Prof. Stefanie Graf, Leiterin Departement Architektur, Bau, Landschaft, Raum
Wo sehen Sie interdisziplinäres Potenzial, auch über das Departement hinaus?
Wir sind sehr breit vernetzt und wollen das noch mehr fördern. Die OST zeichnet sich durch eine grosse fachliche Breite aus und hat eine Grösse, die den persönlichen Kontakt trotzdem gut ermöglicht. Wir arbeiten bereits jetzt eng mit Kolleginnen und Kollegen der Technik, der sozialen Arbeit, der Informatik oder der Gesundheit zusammen. Auch im Bereich Wirtschaft können wir noch mehr Verbindungen schaffen. Letztlich wird gebaut, was sich finanziell rechnet. Der ökonomische Aspekt wird nach wie vor allzu oft als Gegner einer nachhaltigen Bau- und Planungspraxis verstanden. Daran arbeiten wir. Zudem betrachten wir externe Partner als eine weitere wichtige Stütze der Interdisziplinarität. Sei es für praktische Erfahrungen der Studierenden oder für die Zusammenarbeit zwischen Instituten, der Arbeitswelt und Partnern aus der Hochschulwelt.
KI bietet zahlreiche neue Chancen – auch im Bereich Bau und Planung.
Prof. Stefanie Graf, Leiterin Departement Architektur, Bau, Landschaft, Raum
Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz in Ihrem Departement und wo sehen Sie Anwendungsmöglichkeiten?
KI bietet zahlreiche neue Chancen – auch im Bereich Bau und Planung. Diese Technologie hat uns beispielsweise geholfen, einen Beton zu entwickeln, der CO₂-neutral ist. Auch bei der automatisierten Ermittlung des konkreten Materialbedarfs für einen Bau auf Basis der Planung (z. B. BIM-Modelle) kann die KI gut eingesetzt werden. Selbst für Entwurfsprojekte, also die traditionell handwerkliche Gestaltung, testen wir ihren Einsatz. Wichtig ist für unseren Bereich jedoch: KI dient nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung. Sie ist ein Werkzeug und entsprechend in der Lehre und Forschung sehr präsent. Gleichzeitig sehen wir die Kompetenz «Denken ohne KI», also das kritische-analytische Denken, als grossen Wert und bilden gezielt auch mit analogen Werkzeugen aus.
Zu den Stärken der Ostschweiz gehört eine bodenständige Herangehensweise an Probleme.
Prof. Stefanie Graf, Leiterin Departement Architektur, Bau, Landschaft, Raum
Die Themen in Ihrem Departement sind stark in die Zukunft gerichtet. Welche Zukunft sehen Sie für den Bildungs-, Lebens- und Wirtschaftsstandort Ostschweiz?
Die Ostschweiz ist eine sehr lebenswerte Region, die ihren Reiz und ihr grosses Know-how zu oft aus Bescheidenheit nicht so ausspielt, wie sie es könnte. Zu ihren Stärken gehört eine bodenständige Herangehensweise an Probleme. Wir wissen, woher wir kommen, und haben starke Wurzeln. Zugleich ist die Ostschweiz mit ihren langen Grenzen und der starken Exportwirtschaft offen für internationale Entwicklungen und Innovation. Das ist die Basis ihres wirtschaftlichen Erfolgs. Die Ostschweizer Fachhochschule leistet in dieser Bildungs- und Wirtschaftsregion dank ihrer grossen Nähe zu Unternehmen und der öffentlichen Hand einen wichtigen Beitrag zu innovativen Lösungen. Ihre Wirkung geht aber auch über die Ostschweiz hinaus, vor allem in den Wirtschaftsraum Zürich. Unser Departement hat zudem auch eine Wirkung nach Bundesbern beziehungsweise in die ganze Schweiz. Raum- und Landschaftsplanung sowie das nachhaltige Bauen werden stark von Bundesämtern gelenkt. Unsere Partner, sogar unsere Studierenden, kommen daher aus der ganzen Schweiz. Die Ostschweiz hat also, eingebettet in den Wirtschafts- und Bildungsraum Schweiz, eine gute Ausgangslage für eine erfolgreiche Zukunft.
Zur Person
Prof. Stefanie Graf, Jahrgang 1984, wurde per Dezember 2025 zur Leiterin des Departements Architektur, Bau, Landschaft, Raum (ABLR) gewählt. Sie führte das Departement bereits seit November 2024 interimistisch, zuvor war sie Leiterin des Departementsstabs. Stefanie Graf hat Politikwissenschaften und Kunstgeschichte an der Universität Zürich studiert, zusätzlich hat sie einen Executive Master in Public Administration an der Universität Bern erworben. Beruflich verfügt die St.Gallerin über umfassende Führungserfahrung im Hochschul- und Hochschulverwaltungsbereich.