Über 20 Lösungen entwickelt
RENOWAVE gehört zur ersten Generation der Flagship-Projekte von Innosuisse und wurde mit 4 Millionen Franken gefördert. Das gesamte Projektbudget inklusive Eigenleistung der Wirtschaftspartner lag bei 7,7 Millionen Franken. Bis Anfang 2026 arbeiteten unter der gemeinsamen Leitung der OST und der Universität Genf 64 Umsetzungspartner und 16 Forschungsgruppen zusammen – darunter Kantone und Städte, das Bundesamt für Wohnungswesen, Baufirmen, Banken sowie der Mieterinnen- und Mieterverband. «Diese grosse Trans- und Interdisziplinarität war zentral, weil technische, finanzielle, rechtliche und soziale Fragen kombiniert wurden», erklärt Dr. Pierre Hollmuller, Co-Leiter von RENOWAVE und Leiter der Forschungsgruppe Energiesysteme an der Universität Genf. «Es ist das erste Mal, dass ein Projekt diese verschiedenen Dimensionen zusammenbringt», sagt Hollmuller. Und dies mit Erfolg: Aus RENOWAVE gehen über 20 konkrete Lösungen hervor. Dazu gehören Produkte, die noch in der Entwicklung oder bereits auf dem Markt sind, Instrumente und Leitfäden für energetische Modernisierungen und Empfehlungen auf politischer Ebene. «Mit RENOWAVE konnten wir eine Grundlage schaffen, damit Sanierungen in der Zukunft einfacher und schneller gehen», fasst Hollmuller zusammen. Das zeigen die nachfolgenden Projekte exemplarisch.
Vom kompakten Wärmespeicher bis zum Strommix-Rechner
Wer ein älteres Mehrfamilienhaus auf eine Wärmepumpe umrüsten will, benötigt je nach Anlage einen Wärmespeicher. Oft fehlt im Keller jedoch der Platz für einen grossen Wassertank. Die Firma COWA und das IET Institut für Energietechnik der OST haben die «Compact Cell» entwickelt, die dieses Problem löst. Die Compact Cell nutzt ein Phasenwechselmaterial, das beim Schmelzen viel Wärme aufnimmt und diese beim Erstarren wieder abgibt. Der Speicher braucht damit viermal weniger Platz als ein herkömmlicher Wasserspeicher. Im Rahmen von RENOWAVE wurde die Compact Cell zur Marktreife gebracht. 40 Anlagen sind in der Schweiz bereits installiert.
Gefördert durch RENOWAVE hat die Universität Genf die Online-Plattform «Horocarbon» entwickelt. Sie zeigt stündlich, wie sich der in der Schweiz verbrauchte Strom zusammensetzt und welche Treibhausgasemissionen pro Kilowattstunde damit verbunden sind. Diese CO2-Intensität schwankt stark: Im Sommer steht viel CO2-armer Strom aus Wasser- und Solarkraft zur Verfügung, während die Schweiz im Winter stärker auf Importe angewiesen ist. Da dieser Importstrom zu erheblichen Teilen aus fossilen Gas- und Kohlekraftwerken stammt, steigt die CO2-Intensität des Schweizer Strommixes deutlich. «Je mehr Gebäude künftig mit Wärmepumpen beheizt werden, desto wichtiger wird dieses Wissen», zeigt Hollmuller auf – etwa um Wärme genau dann zu erzeugen und zu speichern, wenn CO2-armer Strom im Überfluss vorhanden ist.
Hitze birgt neue Herausforderungen
Für viele Eigentümerinnen und Eigentümer sind Sanierungen organisatorisch eine Überforderung. Neben der Abstimmung der verschiedenen Gewerke – darunter Gebäudehülle, Heizung, Sanitär und Elektrik – müssen Bewilligungen eingeholt, Fördergesuche eingereicht und weitere administrative Prozesse koordiniert werden. «Der immense Koordinationsaufwand schreckt viele ab», betont Daniel Philippen. Da kommen die Gemeinden ins Spiel: «Sie können die Eigentümerschaft aktiv unterstützen, motivieren und begleiten.» Ein Werkzeugkasten von RENOWAVE mit Open-Source-Tools zur Analyse, Definition und Umsetzung von Sanierungsstrategien hilft den Gemeinden und der Eigentümerschaft dabei. Ausserdem hat die Tend AG als Wirtschaftspartnerin von RENOWAVE das Konzept eines «One-Stop-Shops» für Sanierungen umgesetzt. Eigentümerinnen und Eigentümer müssen nur anrufen und eine Ansprechperson organisiert das gesamte Sanierungsvorhaben.
Der Hitzesommer 2026 hat erneut gezeigt, wie dringend solche Sanierungslösungen sind. «Auch die Hitze stellt unsere Gebäude vor grosse Herausforderungen», sagt Philippen. Er vermutet, dass die Rekordtemperaturen mehr Dynamik ins Thema bringen werden, und betont: «Die Arbeit ist noch lange nicht zu Ende.»
Die Welle rollt weiter
RENOWAVE ist zwar abgeschlossen, doch seine Wirkung beginnt sich erst zu entfalten – davon sind die beiden Co-Leiter überzeugt. Die beteiligten Unternehmen und Forschungspartner entwickeln die neuen Produkte weiter. Gemeinden, Planerinnen und Planer, Behörden sowie Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer können die entwickelten Leitfäden und Empfehlungen nun in der Praxis einsetzen.
RENOWAVE trägt somit dazu bei, die Sanierungswelle vorzubereiten, die unsere Vorstellung vom typischen Schweizer Mehrfamilienhaus bald grundlegend verändern dürfte: Im Keller oder hinter dem Haus summt leise die Wärmepumpe, auf dem Dach erzeugen Solarpanels Strom, im Winter bleibt dank neuer Fenster die Zugluft draussen und die Heizwärme drinnen und im Sommer hilft die bessere Dämmung, die Temperaturen angenehm tief zu halten.
Kontakt
Daniel Philippen
Co-Teamleiter SPF Gebäude & Thermische Netze
SPF Institut für Solartechnik
+41 58 257 48 30
daniel.philippen@ost.ch

