Hightech beim Debriefing
Beim Rundgang durch die Wohnung wird aber schnell klar, dass sich noch viel mehr im SimDeC verbirgt als Trinkhilfen oder Wasserkocher, die den Ausguss im unteren Bereich haben – auch hier, um ein Ausgiessen einfacher zu gestalten und speziell Menschen mit einem Tremor (Zittern) den Alltag zu erleichtern. Im Debriefing-Raum kommt dann deutlicher als in jedem anderen Raum die Hightech zum Vorschein. Von Furhat Robotics stammt beispielsweise ein Roboter, der die Interaktion von Mensch und Computer auf ein noch nie dagewesenes Niveau hebt. Abgesehen davon, dass das Gesicht des Roboters verändert werden kann (sodass er dem Gesprächspartner so sympathisch wie möglich erscheint), soll er alsbald in der Lage sein, Gespräche zu führen und mit dem menschlichen Gegenüber zu interagieren. Doch auch hier liegen Fluch und Segen nah beieinander, wie Huber ausführt: «Einerseits könnte ein solcher Roboter Prüfungssituationen simulieren und alle Studierenden gleich behandeln, hier spielen keine subjektiven Empfindungen eine Rolle. Im Umgang mit einem Demenzkranken oder einer beeinträchtigten Person kann es aber durchaus kontrovers betrachtet werden, dass eine verzerrte Realität dargestellt wird.»
Umfunktionierung von hippen Erfindungen
Vor dem weiteren Rundgang folgt der juristisch und moralisch wichtige Hinweis auf die Kameras in der Wohnung, die speziell im Schlafzimmer integriert sind, und darauf, dass diese nichts ohne ausdrückliche Zustimmung aufzeichnen. Das Thema Datenschutz ist allgegenwärtig. Doch zurück zu den Kameras, über deren Sinn und Zweck Huber aufklärt: «Wir können hier praxisnah mit den Studierenden beispielsweise die Pflege und das Patientengespräch oder aber auch Sturzsituationen simulieren und diese im Anschluss entsprechend auswerten.» Die Rolle der pflegebedürftigen Person wird dabei teils von Schauspielenden übernommen oder auch von den Forschenden selbst.
Fluch und Segen der Technik
Doch die Struktur ist komplexer: «Wir lernen miteinander und voneinander, um ein gemeinsames Verständnis für Dementia Care, Technik und Beratung zu entwickeln. Wir beraten in ausgewählten Einzelfällen, um eine Plattform zu entwickeln, auf der wir unser Wissen teilen können. Und wir forschen gemeinsam, um Wissen zu entwickeln und zu verbreiten. Wir verstehen uns als wichtigen Teil eines Netzwerkes. Denn alleine können weder wir noch jemand anderes etwas bewirken. Es geht nur im Team. Zu diesem gehören Betroffene, Angehörige, Pflegende, Hersteller und die Forschung», erklärt Huber.
Beim Abschied wird dann noch einmal eindrücklich klar, dass es im SimDeC auch um Alltagsdinge geht, die ursprünglich einen ganz anderen Ansatz hatten. Ein Motorschloss an der Eingangstüre wurde für junge und hippe Menschen entwickelt. Doch den grösseren Nutzen können hierbei durchaus Personen mit Demenz erfahren, wenn sie die Wohnungstüre über den Fingerabdruck entsperren können – für den Fall, dass sie den Schlüssel vergessen haben.
Kontakt
Josef M. Huber
Departementsstab Gesundheit, Dozent
+41 58 257 12 39
josef.huber@ost.ch



