Exkursion zu den Hitzeinseln
Karlsplatz 13, mitten im Herzen von Wien. Hier hat die Fakultät für Architektur und Raumplanung der Technischen Universität Wien ihre Dependance. «Wien ist schon eine coole Stadt. Und wer sich für Architektur interessiert, ist hier sowieso am richtigen Ort», sagt die 26-jährige Urdorferin (ZH). Doch für ein ganzes Semesterstudium reichte es nicht mehr. Bereits im Frühjahr verzeichnete Wien die erste Corona-Welle, schnell handelten die Stadtbehörden. Nach nur drei Wochen Wienaufenthalt wurde der Betrieb an der TU eingestellt. «Es hat sich trotzdem gelohnt», sagt Jennifer Rüegg rückblickend. «Die Ringvorlesungen zum Thema Energie und Umwelt sind mir in Erinnerung geblieben. Wie man beispielsweise Pflanzen einsetzen kann gegen Hitzeinseln in der Innenstadt.» Aktuell arbeitet die angehende Raumplanerin in ihrer Bachelorarbeit an einem Fussgängerkonzept in einer kleinen Zürcher Gemeinde. «Ein Austauschsemester im Ausland bringt einen neuen Blick, man kann viel erfahren und lernen, wenn man die Augen offen hat», ist die Studentin überzeugt. «Einen direkten Nutzen für meine Bachelorarbeit hat der Austausch aber nicht. Vielleicht, weil er zu kurz war.»
Innovative Ideen für komplexe Fragen
Ortswechsel. Roskilde, 30 Kilometer westlich von Kopenhagen, Dänemark. Hier hat die Aarhus University einen Aussencampus für Umweltwissenschaften. Die Forschenden schaffen es mit unkonventionellen Ideen immer wieder in die Schlagzeilen – beispielsweise vor zehn Jahren, als sie für das Roskilde Festival, eines der grössten Musikevents Europas, ein Pissoir für Frauen entwickelten. Innovativ ist die Universität aber auch in der Messanalytik. Aktuell wird untersucht, was mit Mikroverunreinigungen passiert, wenn sie in einer Kläranlage mit Ozon behandelt werden. Eine Frage, die auch die Schweiz beschäftigt, weil viele Kläranlagen derzeit mit einer solchen vierten Reinigungsstufe ausgerüstet werden.
Timo Mannhart hat sich im September 2020 auf den Weg nach Dänemark gemacht. «Eigentlich wollte ich ein Auslandssemester in China verbringen. Doch die Corona-Situation war unklar. So entschied ich mich für Dänemark», sagt der 25-jährige Sarganser (SG). In Store Valby, eine Viertelstunde vom Institut entfernt, fand er Unterkunft in einer Wohngemeinschaft mit anderen Studierenden. Von dort ging es jeden Tag mit dem Velo zum Labor in Risø. «In meiner Bachelorarbeit habe ich mit einem Massenspektrometer untersucht, welche chemischen Bruchstücke entstehen, wenn so genannte Mikroverunreinigungen mit Ozon aufgespaltet werden.»
Von der Corona-Pandemie habe er während der langen Labortage wenig mitbekommen. «Ausser am Wochenende, weil die Restaurants und Bars früher schliessen mussten», merkt er an. Doch um Weihnachten war auch in Roskilde Lichterlöschen. «Trotzdem: Für mich war der Austausch eine der besten Entscheidungen meines Lebens», sagt Mannhart, der nach seinem OST-Studium in Erneuerbare Energien und Umwelttechnik heute als Entwicklungsingenieur arbeitet. Er habe vom kulturellen Austausch viel gelernt und auch seine Englischsprachkenntnisse verbessert.
Unterstützung von der OST
Die kulturelle Vielfalt hat Vanessa Gächter schon als Kind kennen gelernt. Sie ist im Ausland aufgewachsen. Aktuell schreibt die Sozialarbeiterin an ihrer Masterarbeit über die Internationalisierung der Sozialen Arbeit. Ab September wird sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin im International Relations Office der OST tätig sein. «Im Auslandssemester können sich Studierende fachlich, aber auch persönlich weiterentwickeln.» Man lerne, Eigenverantwortung zu übernehmen, Selbstkompetenz zu entwickeln. «Die Studierenden der OST profitieren von Auslandssemestern und -praktika, absolvieren Projektarbeiten bei Partnerfirmen im Ausland, nehmen an Summer Schools teil, sind bei internationalen E-Projects dabei, schreiben Projekt- und Bachelorarbeiten an ausländischen Hochschulen oder arbeiten in internationalen Projektwochen mit», sagt die 29-Jährige.
Das International Relations Office der OST unterstützt die rund hundert Studierenden bei der Suche nach solchen Studienplätzen oder Praktika. Derzeit ist die OST im Austausch mit mehr als 180 Partnerhochschulen in Europa, Asien und Amerika. Und es kommen laufend weitere hinzu. «Wir sind überzeugt: Der internationale Austausch ist für Studierende eine Investition in die berufliche Zukunft», sagt Vanessa Gächter.
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