Viel Ablenkung und wenig Struktur im Fernunterricht
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild der Herausforderungen, mit denen Studierende im Home-Learning konfrontiert waren. Hauptschwierigkeiten bereiteten Konzentration und Lernumgebung. Zwei Drittel der Befragten geben an, dass sie im Fernunterricht mit Ablenkungen zu kämpfen hatten. Viele machten sich Sorgen um ihre Gesundheit und fühlten sich allein. Auch technische Einschränkungen machten einigen das Leben schwer. Was auffällt: Gut ein Viertel der Studierenden verfügt nicht über einen Arbeitsplatz, an dem sie ungestört arbeiten können. «Je länger das Distance-Learning andauerte, desto stärker sank die Studienmotivation und zeigten sich psycho-soziale Belastungen», erklärt Tobias Kindler. «Im Frühlingssemester 2020 hatten noch 37 Prozent Spass am Studium, ein Jahr später waren es nur noch 20 Prozent.»
Offenbar haperte es auch bei der Strukturierung von Lernzeiten. Etliche Studierende bekundeten Mühe, ihren Tag zu planen. Nur die Hälfte reservierte sich im Fernunterricht feste Lernzeiten im Tagesablauf. Hingegen schoben viele ihre Aufgaben teils bis zum letzten Moment auf. Ein Grossteil verfügte nach eigener Einschätzung über keine gute Work-Life-Balance. Viele arbeiteten neben dem Studium, andere haben Kinder zu versorgen oder kümmern sich um ihre Angehörigen. Insgesamt nahm die Arbeitsbelastung stetig zu. Hinzu kommt, dass die Einschränkungen der Reise-, Mobilitäts- und Freizeitmöglichkeiten immer stärker das persönliche Leben belasten. Kontaktbeschränkungen, Einsamkeit und ein eintöniger Alltag wirkten sich zunehmend negativ auf die Studientätigkeit aus.
Studienleistungen
Doch es gab auch positive Entwicklungen. «Viele Studierende verfügen über ein persönliches Umfeld, das sich förderlich auf ihr Studium auswirkt. Die meisten konnten auf die Unterstützung der Menschen zählen, die ihnen wichtig sind», so Thomas Schmid. «Auch die Einschätzung der eigenen Studienleistungen hat sich mit der Zeit verbessert.» Im Frühlingssemester 2020 war nur ein Drittel der Studierenden davon überzeugt, mit den Anforderungen zurechtzukommen und das Studium gut zu bewältigen, im Herbst bereits die Hälfte. Diese positive Tendenz setzt sich auch in diesem Jahr fort. Bei den Prüfungen sieht es noch optimistischer aus. Im Frühling 2020 waren lediglich 40 Prozent der Meinung, die anstehenden Prüfungen zu bestehen, im Frühlingssemester 2021 waren es fast zwei Drittel. Stefan Köngeter meint dazu: «Möglicherweise zeigt sich in dem positiven Trend, dass Studierende besser einschätzen können, wie sie mit der Corona-Situation umgehen können. Und vielleicht haben auch die Massnahmen, mit denen die Hochschule versucht hat, die Situation der Studierenden zu verbessern, dazu beigetragen.»
Neues Campusleben in Sicht
Um auf die Belastung und Unsicherheit der Studierenden zu reagieren, wurden neue Lösungen erarbeitet und die Online-Didaktik für die digitalisierte Lehre weiterentwickelt. Für absolut notwendige Präsenzveranstaltungen gab es Ausnahmegenehmigungen. Auch Prüfungen fanden vor Ort statt. Eine wichtige Anpassung war die Flexibilisierung der Leistungsnachweise, die den massiv reduzierten Anteil des Präsenzunterrichts berücksichtigte. Mit zunehmenden Lockerungen konnten die Studierenden unter strengen Schutzauflagen auch Gruppenräume und Arbeitsplätze in der Bibliothek nutzen. Dies alles waren Schritte hin zu mehr Normalität. Doch die Pandemie hat den Hochschulbetrieb verändert. Zwar bietet die Digitalisierung klare Vorteile, doch ein reiner Online-Lehrbetrieb ist nicht ideal. Es braucht den wissenschaftlichen und sozialen Austausch in der persönlichen Begegnung. Im Herbst-Semester wird der Campus zu neuem Leben erwachen und es werden wieder direkte persönliche Kontakte möglich werden, die wir alle so schmerzlich vermisst haben. Wir können also wieder auf eine Hochschul- und Studienkultur hoffen, die mehr Lust auf Studium macht.
