Spieldauer bis zu einem ganzen Tag
Das Ergebnis kann sich in der Tat sehen lassen und die Interaktion der Spielenden an den grossen Spielplänen führt zu einem sehr aktiven Spielverlauf. So müssen unter anderem verschiedene Akteursgruppen wie Politiker, Investoren oder die Bevölkerung Prozesse miteinander aushandeln. Bei den unterschiedlichen Zielen der jeweiligen Akteure und Anspruchsgruppen ein durchaus zeitintensives Unterfangen. So ist das Spiel auch nicht in Kürze gespielt, sondern kann in der Vollversion durchaus bis zu einem ganzen Tag in Anspruch nehmen.
Wen es nun in den Fingern juckt, die klimaneutrale Zukunft der Schweiz selbst in die Hand zu nehmen und seine Ideen zu verwirklichen, der kann sich an der Umsetzung versuchen. Richtet sich das Spiel zwar primär an heutige und zukünftige Entscheidungsträger/innen, die motiviert sind, sich für eine klimaneutrale Zukunft zu engagieren – z. B. Führungskräfte aus öffentlichen und privaten Institutionen oder Studierende –, so wurde auch an die interessierte Öffentlichkeit gedacht. Allen Personen soll eine Möglichkeit geboten werden, ihr Handeln bezüglich der Transformation zu nachhaltigeren, postfossilen Städten zu reflektieren.
Allerdings darf man das Spiel nicht isoliert betrachten, fliessen doch viele Aspekte in die tägliche Arbeit von Susanne Kytzia und ihrem Team ein. So spielt auch der Klimacluster unter Leitung von Zoe Stadler und Susanne Schellenberger eine wichtige Rolle. Seit Jahrzehnten warnen Forschende und Fachleute vor den Auswirkungen des Klimawandels. Durch den öffentlichen Druck sind nun Politik, Forschung und Wissenschaft gefordert, Lösungen aufzuzeigen. Und hier besteht eine der vielen Schnittstellen zu «postfossilCities», denn wie auf der Website www.klimacluster.ch geschrieben wird, erfordert «die Entwicklung von ganzheitlichen Klimastrategien die Einbindung von Expertinnen und Experten aus verschiedenen Fachbereichen». Genau dies ermöglicht «postfossilCities».
«Die Klimadiskussion ist komplex.»
Die Notwendigkeit, etwas unternehmen zu müssen, bringt Susanne Kytzia auf den Punkt: «Die Klimaziele sind unterschrieben, das kann nicht wegdiskutiert werden. Wir stehen in der Pflicht.» Dabei reichen die Ansätze von sinnvollen, nachhaltigen Dämmungen der Gebäude plus der Umsetzung von Passivenergie (bspw. Schatten) über Solarenergie und Photovoltaik bis hin zur Abkehr von fossilen Brennstoffen bei Fahrzeugen. So oder so steht für Susanne Kytzia fest, dass die Anforderungen «nur kollektiv zu bewältigen sind». Und ein grosser Traum lebt ohnehin weiter fort: die Energie in grösseren Geothermiekraftwerken aus dem Boden zu holen. Auch hier forscht das IBU Institut für Bau und Umwelt, denn diese Energiequelle bietet ein grosses Potenzial.
Doch woran hapert es bei der Umsetzung, wenn so viele Ideen auf dem Tisch liegen? Notabene an Ideen, die zeitnah umzusetzen wären. Susanne Kytzia erklärt es so: «Die Klimadiskussion ist komplex. Es finden sich leider immer wieder Gründe gegen eine Umsetzung. Es gibt aus der Sicht von bestimmten Akteuren immer wieder Argumente, den Klimaschutz nicht umzusetzen.» Besonders, wenn es an das Portemonnaie jedes Einzelnen gehen könnte.
Mit «postfossilCities» ist ein hochinteressanter Ansatz gelungen, die richtigen Argumente im wahrsten Sinne des Wortes auf den Tisch zu bringen und Lösungen zu eruieren. Für Susanne Kytzia ein wichtiger Baustein. Wobei der wichtigste Beitrag der OST für sie noch umfassender gehalten ist: «Wir können am Campus die technischen Möglichkeiten aufzeigen. Die Technik ist sozusagen unser Beitrag, den wir leisten können. Dies muss dann entsprechend verantwortungsvoll in die Hand genommen und umgesetzt werden.» Und dies möglichst schnell. So mahnt Susanne Kytzia: «Es ist bereits deutlich nach fünf vor zwölf.»
Kontakt
Prof. Dr. Susanne Kytzia
IBU Institut für Bau und UmweltProfessorin, Leiterin des Interdisziplinären Schwerpunkts “Climate and Energy”
+41 58 257 49 17
susanne.kytzia@ost.ch

