Zusammenspiel von Mensch und Maschine
Zunächst entsteht nach der Datenerfassung ein rein mathematisches Problem: «Man muss bedenken, dass die Software bzw. der Rechner eine Unmenge an Daten in kürzester Zeit zusammenfassen und berechnen muss. Die Berechnung der Algorithmen muss in Sekundenschnelle passieren und darf nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, sonst wäre es in der Praxis keine Hilfe für die Stationsleitung», erklärt Tiemessen.
Zudem geht es darum, das Zusammenspiel von Mensch und Maschine richtig zu gestalten. Weder der Mensch noch die Maschine sind alleine in der Lage, einen gerechten Dienstplan zu erstellen. Somit muss auch die Software lernen – mit Hilfe des Menschen. «Die Vorschläge der Software aufgrund der A-priori-Wünsche der Mitarbeitenden werden immer noch von den zuständigen Personen der Stationsleitung angeschaut und unter Umständen angepasst. Zudem gibt es seitens des Personals im Nachgang Feedback zum Dienstplan, das wiederum in die Software übernommen wird. Aus diesem Feedback lernt die Software und kann die Vorschläge ihrerseits optimieren. Dieses Machine Learning ist essenziell für den erfolgreichen Prozess», erklärt Tiemessen.
Durch das Zusammenspiel will man sich möglichst nah an das Optimum herantasten, wie Tiemessen sagt: «Es gibt immer wieder Faktoren, die im operativen Tagesgeschäft Einfluss nehmen, wie konfligierende Freiwünsche, kurzfristige Personalausfälle oder dergleichen. Somit wird es in der Praxis kaum möglich sein, den perfekten Dienstplan zu erstellen. Aber wir können uns immer weiter verbessern und den Prozess fortlaufend optimieren.»
Als Umsetzungspartner für die Softwarelösung ist Marktführer Polypoint involviert. Die praktische Anwendung erfolgt mit drei Partnern: LAK Liechtensteinische Alters- und Krankenhilfe, Psychiatrische Dienste Aargau AG und das KSA Kantonsspital Aarau AG.
Entlastung des Pflegepersonals
Das Interesse seitens der Unternehmen hätte noch deutlich mehr Partner ermöglicht, doch wäre das ganze Projekt, das einen Umfang von 1 Million Franken hat und von Innosuisse in Form von Arbeitslöhnen zur Hälfte unterstützt wird, in der Praxis kaum noch zu handhaben.
So ist das Team von Tiemessen mittlerweile auf einem guten Weg zum eigentlichen Ziel: Dank einer passgenauen und gerechten Personalbesetzung soll das Pflegepersonal entlastet werden. Diese positive Befindlichkeit wirkt sich direkt auf die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden aus. Denn der nachhaltige Einsatz von Ressourcen in der Pflege ist zentral, um die Gesundheitskosten zu stabilisieren. Dieses Projekt trägt in mehrfacher Weise dazu bei. So wird beispielsweise durch die verbesserte Mitarbeitendenzufriedenheit die Attraktivität des Pflegeberufs gefördert, wodurch sich mehr Arbeitnehmende für den Pflegeberuf entscheiden und insbesondere auch darin verbleiben. Zum Wohl von uns allen.
Kontakt
Prof. Dr. Harold Tiemessen
IMS Institut für Modellbildung und Simulation
Institutsleiter
+41 58 257 12 31
harold.tiemessen@ost.ch
