Mobiles OST-Labor für nachhaltige Energie
Auch die ASTU, eine technische Universität in Äthiopien, engagiert sich aus eigenem Antrieb für weniger Energiearmut. Sie plant den Aufbau von Studiengängen, Weiterbildungskursen und praktischen Laboranlagen, um das Wissen über Power-to-X-Technologien aufzubauen und mit diesem Wissen und der Infrastruktur überall im Land die Basis für die Umsetzung von dezentralen Anlagen für die erneuerbare Brennstoffproduktion zu legen.
In Zusammenarbeit mit dem IET der OST soll eine mobile Laboranlage gebaut und anschliessend an die ASTU verschifft werden. Vor Ort werden dann IET-Forschende zusammen mit der ASTU in Form eines Wissenstransfers daran arbeiten, an der ASTU ein Kompetenzzentrum für Power-to-X Technologien und deren Weiterentwicklung aufzubauen. «Der Fokus des Projekts liegt auf der Umwandlung von erneuerbarem Strom in lager- und transportfähige Brennstoffe wie zum Beispiel Methanol», erklärt Projektingenieur Salvatore Oricchio. Mit Methanol lassen sich beispielsweise günstige Campingkocher betreiben.
Dezentrale Energieversorgung
Der gemeinnützige Verein Solafrica und die ASTU streben den Aufbau von Power-to-X-Know-how an. Nach dem Konzept Hilfe zur Selbsthilfe soll die ASTU als Kompetenzzentrum dienen, um die bedarfsgerechte Umsetzung von lokalen Power-to-X-Anlagen zu unterstützen. Neben den technischen bestehen in einem Land wie Äthiopien auch ortsspezifische Herausforderungen wie unter anderem eine schlechte Strasseninfrastruktur, ungenügende Lieferketten, fehlende Devisenreserven sowie allgemein herausfordernde institutionelle Rahmenbedingungen. Der Aufwand lohnt sich jedoch trotz aller Widrigkeiten. Eine Tonne CO2 pro Einwohner und Jahr emittiert Äthiopien allein durch die Übernutzung der Wälder für Brennmaterial. Wenn diese Emissionen eingespart und gleichzeitig durch die Produktion von Methanol wirtschaftlich gewinnbringend ersetzt werden können, lohnt sich die Herstellung der Power-to-X-Brennstoffe gleich doppelt.
Die lokale Anpassung des Konzepts unter Berücksichtigung von administrativen und logistischen Unterschieden zur Schweiz soll laut Oricchio sicherstellen, dass die ASTU eine auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnittene Partnerin für dezentrale Energieversorgung werden kann. Zum heutigen Zeitpunkt ist zum Beispiel noch unklar, welche Anlagengrösse für die äthiopischen Gemeinden geeigneter ist. «Ob wenige grosse oder viele kleine Anlagen effizienter sind, wird sich im Laufe der Zeit zeigen müssen. Ob eine kommerzielle Nutzung überhaupt möglich ist, muss auch noch weiter untersucht werden, da Power-to-X-Technologien heute noch sehr teuer sind», sagt Oricchio. Doch die Vision, eine nachhaltige Energieversorgung für die ländliche Bevölkerung zu schaffen, treibt die Partner voran. Die IET plant nach Abschluss des Projekts eine beratende Rolle oder sogar eine Beteiligung an der Planung und dem Aufbau von Power-to-X-Anlagen.
Kontakt
Salvatore Oricchio
IET Institut für Energietechnik
+41 58 257 43 32
salvatore.oricchio@ost.ch
