Wir machen die Berufs­bildung zukunftsfähig – jeder Beruf zählt

Wie wirkt sich mein Handeln im Beruf auf die Umwelt aus? Wie können Energie und Ressourcen im Berufsalltag sparsamer eingesetzt werden? Strengere Umweltvorschriften, steigende Preise und eine sensibilisierte Kundschaft fordern von Berufsleuten Umweltkompetenzen. Um Umweltbildung in der Ausbildung zu verankern, wirken Fachleute des WERZ Instituts für Wissen, Energie und Rohstoffe Zug bei der Entwicklung zukunftsfähiger Berufsbilder mit.

Was tun, wenn im Geschäft regelmässig unverkäufliche Lebensmittel weggeworfen werden? Unmengen an Verpackungsmaterial nicht fachgerecht entsorgt werden? Oder trotz Sommerhitze der Laden so unterkühlt ist, dass sich die Kunden über die Kälte beklagen? Anhand praxisnaher Fragestellungen machen sich angehende Detailhandelsfachfrauen und -männer Gedanken über Umweltaspekte in ihrem Berufsalltag. Sie erwerben Kenntnisse über ressourcenschonendes Verhalten und erarbeiten konkrete Vorschläge, wie Warenbewirtschaftung, Abfallentsorgung oder Energieverbrauch in ökologischer Hinsicht optimiert werden können. Der Ansatz ist so einfach wie einleuchtend: Umweltbildung muss in der Ausbildung einsetzen, damit sie im Berufsalltag zum Tragen kommt.

Es handelt sich um eine Werkstatt für Polymechaniker mit verschiedenen Werkzeugen und Apparaturen.
Polymechanikerinnen und Polymechaniker bedienen verschiedene Maschinen, darunter auch computergesteuerte, überwachen die Produktion, nehmen Anlagen in Betrieb und warten sie. (Quelle: Swissmem, Polymechaniker-/innen)

Berufe zukunftsfähig machen

Damit ökologisches Wissen in allen Berufen zum Standard wird, wirkt das WERZ Institut für Wissen, Energie und Rohstoffe Zug im Auftrag des Bundesamts für Umwelt bei der Entwicklung und Revision von Berufsbildern mit. Zukünftige Berufsgenerationen sollen durch praktische Umweltbildung für die schonende Nutzung der Ressourcen fit gemacht werden. Federführend ist der Projektleiter Jeremy Schälchli: «Wir arbeiten bei der Entwicklung zukunftsfähiger Berufe mit. Am Ende ihrer Ausbildung sollen die Berufsleute ihren Beruf so ausüben, dass natürliche Ressourcen geschützt oder nachhaltig genutzt werden. Dazu müssen Umweltkompetenzen und Bildungsinhalte in den Bildungsplänen und Prüfungsordnungen verankert werden», erklärt der Umweltspezialist. Im Projekt «Nachhaltige Ressourcen- und Energienutzung in der Berufsbildung» begleitet das Institutsteam jährlich die Entwicklung von rund 40 Berufen. Sie analysieren die Ausbildungsinhalte und zeigen auf, welche Energie-, Klima- und Umweltaspekte in der Berufsausbildung stärker verankert werden müssen. Ziel ist es, die Ausbildungen an die ökologischen und technischen Entwicklungen und Herausforderungen anzupassen.

Ein Zimmermann fräst gerade das Holz und die Sphäne fliegen im gegen die Schutzbrille.
Eine ökologische Bau­weise trägt viel dazu bei, den Energiebedarf von Gebäuden zu verringern und die CO2-Emissionen zu redu­zieren. (Quelle: Holzbau Schweiz, Schreiner)

Berufsleute von morgen: Beispiel Zimmerleute

Eine ökologische Bauweise trägt viel dazu bei, den Energiebedarf von Gebäuden zu verringern und die CO2-Emissionen zu reduzieren. Das setzt voraus, dass junge Zimmerleute die Eigenschaften verschiedener Baumaterialien vergleichen, um das ökologischste Produkt auszuwählen. Sie brauchen Kenntnisse über die Integration neuer Energiesysteme und die dazu benötigte Technik. Und es wird erwartet, dass sie umweltbelastende Stoffe wie chemische Holzschutzmittel fachgerecht und sparsam einsetzen können. Wenn junge Berufsleute lernen, ihre Tätigkeiten ressourcenschonend und energiesparend auszuüben, ist das konkreter Umweltschutz.

 Hier ist zu sehen, wie eine Lernende sehr konzentriert mit einem Stapler rückwärts fährt.
In ihrer Ausbildung beschäftigen sich angehende Logistikfachleute damit, wie eine umweltfreundliche Logistik aussehen kann. (Quelle: ASFL SVBL, Logistikerin)
Umweltkompetenzen überall notwendig

So viel ist klar: Umweltkompetenzen werden zukünftig in allen Berufen gefordert. Heizungsinstallateure brauchen neue Technologien für Anlagen, die vor ein paar Jahren noch nicht nachgefragt wurden und erst durch Entwicklungen im Smart- Home-Bereich wichtig werden. Dentalassistentinnen müssen Kundinnen und Kunden beraten, die auf Mikroplastik sensibilisiert sind und entsprechende Behandlungswünsche äussern. Bankwirtschaftsfachleute sollten sich mit nachhaltigen Finanzprodukten auskennen und wissen, welche Produkte tatsächlich einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten. Elektronikerinnen müssen verstehen, wie sie mit fehleranfälligen Schaltungen umgehen, um Ausschuss in der Produktion zu reduzieren und damit Ressourcen einzusparen. Und Restaurationsangestellte sollten darin geschult sein, wie sie Food Waste in ihrem Betrieb vermeiden können.

Umweltthemen in Qualifikationsprofile integrieren

«Um die Zukunftstrends zu meistern, müssen künftig benötigte Kompetenzen bereits heute in der Ausbildung vermittelt werden», so Jeremy Schälchli. Dieses Ziel ist auch im Berufsbildungsgesetz verankert. Für die praktische Umsetzung verfasst das Institut Empfehlungen. Sie bilden die Grundlage für die Stellungnahmen des Bundesamts für Umwelt an die Branchen- und Berufsverbände. «Wir zeigen auf, welche Bezüge der Beruf zu Umwelt- und Ressourcenschutz aufweist und welche berufsspezifischen Kompetenzen zukünftig benötigt werden», so der Umweltfachmann. «Wir formulieren dabei konkrete Vorschläge, wie diese Umwelt- und Energiethemen in die Bildungspläne und Prüfungsordnungen integriert werden können, und erläutern, wie das praktische Verständnis für umweltrelevante Fragen in der Ausbildung gestärkt werden kann.»

Beispiel Logistikfachleute

Logistikprozesse wie die Beschaffung, Lagerung und Verteilung von Gütern haben oft negative Auswirkungen auf die Umwelt. Angehende Logistikfachleute beschäftigen sich deshalb in ihrer Ausbildung damit, wie eine umweltfreundliche Logistik aussehen kann. Sie setzen sich damit auseinander, welchen Einfluss das Klima auf Ressourcen, globale Lieferketten und Transportwege hat. Sie nehmen Lagerhäuser, Produktionslogistik und Distributionsprozesse unter die Lupe, um herauszufinden, wie Material sinnvoll eingesetzt, Treibhausgase reduziert und natürliche Ressourcen geschont werden können. Zentraler Ausbildungsbestandteil ist die Kreislaufwirtschaft. Hier geht es nicht nur um Recycling und umweltgerechte Entsorgung von Abfällen. Die Auszubildenden sollen lernen, wie Geschäftsmodelle und Logistik aussehen können, um Produkte und Materialien im Wirtschaftskreislauf zu erhalten.

Angebote für Lehrpersonen

Bei der Vermittlung von Umweltkompetenzen nehmen Lehrpersonen, Prüfungsexpertinnen und -experten sowie Berufsbildner eine Schlüsselrolle ein. Um sie bei ihrer Aufgabe zu unterstützen, hat das Institut passende Weiterbildungen konzipiert und Lehr-/Lernmittel für die Berufsbildung erarbeitet. In Fachtagungen und Workshops geben die Umweltfachleute der OST Einblick in ökologische Themen und zeigen ihre Relevanz für die Berufsbildung auf – eine gute Investition in die Zukunft.

Das WERZ Institut für Wissen, Energie und Rohstoffe Zug der OST entwickelt Projekte im Bereich Energie- und Ressourceneffizienz und fördert den Wissenstransfer zu Institutionen, Netzwerken und Unternehmen. Das Projekt «Nachhaltige Ressourcen und Energienutzung in der Berufsbildung» wird im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU realisiert.