Quellwasser-Daten erheben, besser planen
Deshalb arbeiten die beiden Schwestern Daniela und Jeannette Lippuner an einem kostengünstigen und transparenten Quellwasser-Monitoring-System. Mit ihrer Uli Lippuner AG sind sie schweizweit für Wasserversorger tätig, bauen Anlagen, beraten Gemeinden und analysieren die Wassersituation vor Ort. «Planungssicherheit bei der Wasserversorgung wird immer wichtiger. Deshalb wollen wir das Quellwasser-Monitoring digital automatisieren, damit die Gemeinden jederzeit die echten, aktuellen Quellabflüsse mit ihren Planungsannahmen vergleichen können», sagt Jeannette Lippuner.
Dafür haben die Lippuners zusammen mit dem IET Institut für Energietechnik der OST – Ostschweizer Fachhochschule ein Open-Hardware-Sensor-System namens WABEsense entwickelt, das direkt an der Quelle, in der im Boden versenkten Brunnenstube, den aktuellen Durchfluss und die Temperatur misst und speichert. «Gemessen werden der Druck sowie die Temperatur des Wassers – über den Druck lässt sich die Wassermenge exakt bestimmen», erklärt IET-Projektingenieur Juan Pablo Carbajal, der das Mess-System mit günstigen Industrie-Standard-Komponenten entwickelt hat.
«Die Daten lassen sich über lange Zeiträume von 6 bis 12 Monaten etwa im 10-Minuten-Takt erfassen und dann zum Beispiel mit entsprechenden Wetterdaten kombinieren, um verschiedene Zusammenhänge besser zu verstehen und damit immer bessere Vorhersagen für die künftige Wasserversorgung treffen zu können», erklärt Jeannette Lippuner. Daran ist auch das BAFU Bundesamt für Umwelt interessiert und es unterstützt das Projekt finanziell.
Pioniergemeinde Schiers kennt ihr Wasser
Eine der Pioniergemeinden für das neue Quellwasser-Monitoring ist die Gemeinde Schiers in Graubünden. Sieben Quellen stellen hier einen grossen Teil der Trinkwasserversorgung sicher. Ergänzt wird das Quellwasser bei Bedarf mit Wasser aus dem Grundwasser-Pumpwerk. Neben der Bevölkerung muss die Gemeinde Schiers mit der lokalen Wasserversorgung auch das örtliche Spital und wasserintensive Industrie zuverlässig beliefern können. Entsprechend innovativ ist die Gemeinde laut dem stellvertretenden Brunnenmeister Andrea Wieland unterwegs: «Wir probieren immer neue Technologien aus und messen zum Beispiel die Wasserverfügbarkeit in unseren Hydranten, machen digitale Messungen im gesamten Wassernetz und erfassen für jede Immobilie die Menge, Temperatur und Geschwindigkeit des Wassers.»
Weil das Quellwasser von selbst aus den umliegenden Bergen fliesst und wenig Hygiene-Behandlung benötigt, wolle die Gemeinde einen möglichst hohen Anteil der Wasserversorgung mit Quellwasser decken, so Wieland. Zwei der sieben Quellen sind derzeit mit dem Lippuner-Messsystem ausgestattet. «Unsere Gesamtübersicht über unsere Wasserversorgung wird damit immer genauer», so Wieland.
Montage in weniger als 2 Minuten
Aktuell planen die beiden Lippuner-Schwestern, noch weitere Pilotquellen zu messen. An sechs Quellen werden derzeit Daten erfasst. Wie praxisnah das System entwickelt wurde, zeigt ein Besuch vor Ort an einer Pilotquelle in Schiers, die mit der neuesten Variante des Mess-Systems ausgestattet wird. Beim Blick in die Brunnenstube zeigt sich, dass wegen des trockenen Sommers gerade nur eine der beiden hier gefassten Quellen Wasser führt. Keine zwei Minuten brauchen Daniela und Jeannette Lippuner, um das graue Kästchen an das hauseigene WABE-System im Brunnenschacht anzuschliessen. Nach zwei kurzen Kontrollmessungen verrichtet das Kästchen nun wieder für 6 bis 12 Monate ohne Wartung seinen Dienst. Hinzu kommt, dass die Mess-Einheit im Vergleich zu bisher verfügbaren Mess-Systemen sehr günstig ist. Die Uli Lippuner AG lässt die Einheiten selbst fertigen.
Kontakt
Jeannette Lippuner
Uli Lippuner AG
+41 81 723 02 25
jeannette.lippuner@ulippuner.ch
Dr. Juan Pablo Carbajal
IET Institut für Energietechnik
+41 58 257 42 64
juanpablo.carbajal@ost.ch



