Sondermaschine für schönere Zähne

Bestsmile startete vor fünf Jahren einen bis heute erfolgreichen Vormarsch im Geschäft mit unsichtbaren Zahnspangen für Zahnstellungskorrekturen. Heute ist das Unternehmen unangefochtener Marktführer in der Schweiz. Das Herzstück der heimischen Produktion ist ein an der OST entwickeltes Sondermaschinen-System, das heute fast 95 Prozent der Herstellungsschritte der Aligner vollautomatisch übernimmt.

Für Patienten von Bestsmile wirkt alles ganz einfach. Das eigene Gebiss in einer von schweizweit 36 Praxen dreidimensional scannen lassen, nach kurzer Wartezeit den ärztlichen Behandlungsplan besprechen und anschliessend ist nur noch alle ein bis zwei Monate ein Kontroll- und Beratungsbesuch in einer Bestsmile-Praxis in der Nähe nötig. Mithilfe von durchsichtigen, fast unsichtbaren Zahnspangen können die Patientinnen von Bestsmile ihre Zahnstellung zu Hause selbst korrigieren. Nach drei bis zwölf Monaten ist die Behandlung in der Regel abgeschlossen.

Für die reibungslosen Abläufe hinter dieser komfortablen Behandlung ist neben den mehr als 340 Bestsmile-Mitarbeitenden ein im ILT Institut für Laborautomation und Mechatronik der OST entwickeltes Sondermaschinen-System verantwortlich. Bestsmile-COO Manon Rordorf nennt die Maschine ohne grosses Zögern das «Herzstück unserer Produktion» und Produktionsleiter Matthieu Rocheteau ergänzt: «Es gibt auch manuelle Prozesse, aber ohne den Roboter könnten wir die Nachfrage gar nicht decken.» Bevor die Sondermaschine Anfang 2021 ihren Betrieb aufnahm, waren rund 60 Prozent der Produktionsprozesse bei Bestsmile automatisiert, mit der Sondermaschine der OST ist der Anteil auf 95 Prozent vollautomatische Produktion für Aligner gestiegen. Bis heute hat Bestsmile mehr als 40 000 Patientinnen und Patienten behandelt – die Mehrheit davon mit Alignern, den transparenten Zahnspangen.

Durch die Verglasung kann man jeden Produktionsschritt der Maschine verfolgen.
Ein zuständiger Mitarbeiter verfolgt den Prozess, um die Qualitätssicherung zu gewährleisten.

Digitaler Gebisszwilling für jeden Patienten

Möglich ist der hohe Automatisierungsgrad, weil die Sondermaschine mit allen digitalen Systemen bei Bestsmile und mit involvierten Partnerfirmen vernetzt ist. Wenn Patientinnen und Patienten in einer der Bestsmile-Praxen ihre Zähne scannen lassen, wird mit diesen Daten ein exaktes, digitales Modell des Gebisses erstellt. Zahnärztinnen und Zahntechniker erarbeiten anschliessend am Computer den gesamten Behandlungsplan mit allen Zwischenschritten und speichern diesen ebenfalls digital. Die für die Produktion nötigen Gebissmodelle werden mit diesen Daten genauso erstellt wie die Produktionsdaten für die einzelnen Aligner. «Pro Aligner dauert die Produktion in der Sondermaschine nur fünf Minuten, was deutlich schneller als manuelles zahntechnisches Arbeiten ist», erklärt Rocheteau. Der Prozess ist dabei zweiteilig: Mit den derzeit leistungsstärksten verfügbaren 3D-Druckern werden die Gebissmodelle für jede Behandlungsphase erstellt, über die anschliessend in der Spezialmaschine die Aligner-Folien tiefgezogen werden. Auf nur 16 Quadratmetern wickelt die Maschine in Spitzenzeiten im 24-Stunden-Betrieb einen Auftrag nach dem anderen ab. Nach der automatisierten Produktion durchlaufen die Aligner noch einen manuellen Finishing-Prozess.

Auf diesem Bild sieht man die Produktionsmaschine der Zahn-Aligner, welche in der OST entwickelt wurde.
Mit dieser Maschine wird praktisch die ganze Arbeit der Produktion eines Aligners abgehandelt.

Mensch-Maschine-Partnerschaft bei der Qualitätssicherung

Bereits während der Produktion findet eine laufende automatisierte Qualitätssicherung zwischen den digitalen Produktionsdaten und den tatsächlich produzierten Alignern statt. Für die abschliessende Qualitätskontrolle vertraut Bestsmile zudem auf erfahrende Mitarbeitende. Diese überprüfen nach der automatisierten Produktion die Aligner, nehmen falls nötig letzte Anpassungen vor und senden die kontrollierten und gereinigten Aligner anschliessend in die entsprechende Praxis. Dort werden sie von spezialisierten Zahnärzten und Kieferorthopäden schliesslich den Patientinnen und Patienten übergeben. Die fast vollautomatisierte Produktion ermöglicht es Best-smile, einen Grossteil der Mitarbeitenden auf den Kontakt zu Patientinnen und  Patienten, die Planung von Behandlungen und die Qualitäts- und Behandlungssicherung zu fokussieren. «Wir möchten Zahnkorrekturen zu einem fairen Preis bieten, der hohe Automatisierungsgrad in der Produktion ermöglicht uns Kostenersparnisse, die wir in anderen Bereichen investieren können», so Rordorf.

Ein Aligner auf der Zielgeraden. Dieser wird schon bald für schöne Zähne beim Kunden sorgen.
Der fertige Aligner, perfekt zugeschnitten gemäss den vorliegenden Daten der Patienten.

Nachvollziehbarkeit von A bis Z

Während das digitale Patientendossier in der Schweiz noch Zukunftsmusik ist, ist es bei Bestsmile bereits Alltag. «Das digitale Gebiss liegt zusammen mit allen Daten von Zahntechnikern und Zahnärztinnen sowie dem Behandlungsplan und den Bestellinformationen in unseren Systemen – jeder einzelne Schritt ist vollständig nachvollziehbar – auch rückwirkend», erklärt Rocheteau. Weil die Sondermaschine jeden einzelnen Aligner exakt passend zum Patienten und dem Behandlungsplan erstellt, ist es auch möglich, Aligner einzeln nachzuproduzieren – etwa wenn eine Patientin oder ein Patient diesen verloren oder hat oder er beschädigt wurde. Die Leistungsfähigkeit der Produktion wird auch bei solchen individuellen Einzelaufträgen nur selten beeinflusst.

Die grosse Sondermaschine entwickelt mit dem System fast 95 Prozent der Herstellungsschritte.
Die Produktion eines Aligners benötigt in dieser Maschine nur fünf Minuten.

Die Komplexität liegt in der digitalen Welt

Bei der Entwicklung der Maschine lag die Komplexität laut ILT Projektleiter Domenico Leonardo nicht nur in der physischen Welt, sondern ebenfalls in der digitalen. «Ein bedeutsam grosser Teil der Entwicklungszeit ist in die Softwarekomponenten geflossen, weil die Spezialmaschine Daten aus unterschiedlichsten Quellen erhalten, verarbeiten und dokumentieren muss», so Leonardo. Dem pflichtet auch Bestsmile-Produktionsleiter Rocheteau bei: «Bei den bisher seltenen Ausfällen lag die Ursache meistens an Schnittstellen zu externen Systemen und nicht an der Maschine selbst.» Weil sich das unsichtbare, digitale Umfeld um die Maschine laufend ändert, unterhält Bestsmile einen Wartungsauftrag mit dem ILT der OST. So konnten bisher  kritische Ausfälle verhindert werden, auch wenn beispielsweise eine Softwareänderung bei Bestsmile selbst oder bei Partnerfirmen kurzfristig für digitale Verständigungsprobleme gesorgt hat.

Kontakt

Prof. Dr. Agathe Koller
Institutsleiterin ILT Institut für Laborautomation und
Mechatronik
+41 58 257 49 29
agathe.koller@ost.ch