Digitaler Gebisszwilling für jeden Patienten
Möglich ist der hohe Automatisierungsgrad, weil die Sondermaschine mit allen digitalen Systemen bei Bestsmile und mit involvierten Partnerfirmen vernetzt ist. Wenn Patientinnen und Patienten in einer der Bestsmile-Praxen ihre Zähne scannen lassen, wird mit diesen Daten ein exaktes, digitales Modell des Gebisses erstellt. Zahnärztinnen und Zahntechniker erarbeiten anschliessend am Computer den gesamten Behandlungsplan mit allen Zwischenschritten und speichern diesen ebenfalls digital. Die für die Produktion nötigen Gebissmodelle werden mit diesen Daten genauso erstellt wie die Produktionsdaten für die einzelnen Aligner. «Pro Aligner dauert die Produktion in der Sondermaschine nur fünf Minuten, was deutlich schneller als manuelles zahntechnisches Arbeiten ist», erklärt Rocheteau. Der Prozess ist dabei zweiteilig: Mit den derzeit leistungsstärksten verfügbaren 3D-Druckern werden die Gebissmodelle für jede Behandlungsphase erstellt, über die anschliessend in der Spezialmaschine die Aligner-Folien tiefgezogen werden. Auf nur 16 Quadratmetern wickelt die Maschine in Spitzenzeiten im 24-Stunden-Betrieb einen Auftrag nach dem anderen ab. Nach der automatisierten Produktion durchlaufen die Aligner noch einen manuellen Finishing-Prozess.
Mensch-Maschine-Partnerschaft bei der Qualitätssicherung
Bereits während der Produktion findet eine laufende automatisierte Qualitätssicherung zwischen den digitalen Produktionsdaten und den tatsächlich produzierten Alignern statt. Für die abschliessende Qualitätskontrolle vertraut Bestsmile zudem auf erfahrende Mitarbeitende. Diese überprüfen nach der automatisierten Produktion die Aligner, nehmen falls nötig letzte Anpassungen vor und senden die kontrollierten und gereinigten Aligner anschliessend in die entsprechende Praxis. Dort werden sie von spezialisierten Zahnärzten und Kieferorthopäden schliesslich den Patientinnen und Patienten übergeben. Die fast vollautomatisierte Produktion ermöglicht es Best-smile, einen Grossteil der Mitarbeitenden auf den Kontakt zu Patientinnen und Patienten, die Planung von Behandlungen und die Qualitäts- und Behandlungssicherung zu fokussieren. «Wir möchten Zahnkorrekturen zu einem fairen Preis bieten, der hohe Automatisierungsgrad in der Produktion ermöglicht uns Kostenersparnisse, die wir in anderen Bereichen investieren können», so Rordorf.
Nachvollziehbarkeit von A bis Z
Während das digitale Patientendossier in der Schweiz noch Zukunftsmusik ist, ist es bei Bestsmile bereits Alltag. «Das digitale Gebiss liegt zusammen mit allen Daten von Zahntechnikern und Zahnärztinnen sowie dem Behandlungsplan und den Bestellinformationen in unseren Systemen – jeder einzelne Schritt ist vollständig nachvollziehbar – auch rückwirkend», erklärt Rocheteau. Weil die Sondermaschine jeden einzelnen Aligner exakt passend zum Patienten und dem Behandlungsplan erstellt, ist es auch möglich, Aligner einzeln nachzuproduzieren – etwa wenn eine Patientin oder ein Patient diesen verloren oder hat oder er beschädigt wurde. Die Leistungsfähigkeit der Produktion wird auch bei solchen individuellen Einzelaufträgen nur selten beeinflusst.
Die Komplexität liegt in der digitalen Welt
Bei der Entwicklung der Maschine lag die Komplexität laut ILT Projektleiter Domenico Leonardo nicht nur in der physischen Welt, sondern ebenfalls in der digitalen. «Ein bedeutsam grosser Teil der Entwicklungszeit ist in die Softwarekomponenten geflossen, weil die Spezialmaschine Daten aus unterschiedlichsten Quellen erhalten, verarbeiten und dokumentieren muss», so Leonardo. Dem pflichtet auch Bestsmile-Produktionsleiter Rocheteau bei: «Bei den bisher seltenen Ausfällen lag die Ursache meistens an Schnittstellen zu externen Systemen und nicht an der Maschine selbst.» Weil sich das unsichtbare, digitale Umfeld um die Maschine laufend ändert, unterhält Bestsmile einen Wartungsauftrag mit dem ILT der OST. So konnten bisher kritische Ausfälle verhindert werden, auch wenn beispielsweise eine Softwareänderung bei Bestsmile selbst oder bei Partnerfirmen kurzfristig für digitale Verständigungsprobleme gesorgt hat.
Kontakt
Prof. Dr. Agathe Koller
Institutsleiterin ILT Institut für Laborautomation und
Mechatronik
+41 58 257 49 29
agathe.koller@ost.ch



