Smartphone-Schutz aus recycelten Skischuhen

Smartphone-Schutzhüllen aus Neukunststoffen landen meistens zusammen mit dem alten Gerät im Abfall. Ein gemeinsames Projekt der OST mit dem Taschenmacher Freitag hat nun einen neuen Ansatz verfolgt: Aus recycelten Skischuhen und wiederverwerteten LKW-Blachen wird ein ressourcenschonender Upcycling-Smartphone-Schutz, der selbst erneut wiederverwendbar bleibt. Das Projekt wurde im Januar 2023 mit dem Nachhaltigkeits-Award an der Swiss Plastics Expo ausgezeichnet.

Wie lässt sich neuer Plastikmüll für Smartphone-Schutzhüllen mit Upcycling vermindern? Diese Frage hat die für ihre Taschen bekannte Firma Freitag schon länger beschäftigt. Auf der Suche nach geeigneten Partnern wurde Freitag an der OST – Ostschweizer Fachhochschule beim IWK Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung fündig. Das Institut hat bereits Filamente für 3D-Drucker und Recycling-Kunststoffgranulat in Industriequalität aus recycelten Skischuhen hergestellt, die in der Integrationswerkstätte Argo in Davos gesammelt und in ihre wiederverwendbaren Teile zerlegt werden.

Die praktischen Kartenetuis aus recycelten LKW-Planen sind in verschiedenen Farben erhältlich und selbst wiederverwertbar.
Schicke und stabile Kartenetuis aus recycelter LKW-Plane.

Vom Skischuh zum Rohmaterial für die Herstellung der F385 CIRC-CASE

Die gesammelten Skischuhe werden in Davos in Handarbeit von sämtlichen Metallteilen befreit und anschliessend zerlegt und mit einem FTIR-Spektrometer auf hochqualitativ recycelbare Kunststoffe überprüft. Die wieder verwendbaren Kunststoffe werden farblich sortiert und zermahlen, um anschliessend wieder in industriell nutzbares Kunststoff-Granulat verarbeitet zu werden. Daraus lässt Freitag hochwertige Schutzhüllen für Smartphones produzieren. Zusammen mit einem individuellen Kartenetui aus recycelter LKW-Plane wird daraus das F385-CIRC-CASE für iPhones® ab der elften Generation. Und das Beste: Nicht nur die Kunststoff-Schutzhülle ist nach dem Gebrauch erneut recycelbar, sondern auch das Blachen-Kartenetui kann zusammen mit der nächsten Freitag-Schutzhülle wiederverwendet werden. «Damit kommen wir einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft einen grossen Schritt näher», sagt Daniel Schwendemann, der am IWK der OST seit Jahren im Bereich Recycling forscht und zusammen mit seinem Team zum Beispiel auch schon Plastikmüll aus dem Meer wieder in industriell nutzbares Kunststoff-Granulat zurück verwandelt hat.

Auf dem Portrait ist Prof. Daniel Schwendemann, Leiter des Fachbereichs Compoundierung/Extrusion am IWK Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung der OST.
Prof. Daniel Schwendemann ist Leiter des Fachbereichs Compoundierung/Extrusion am IWK Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung der OST.

Ausgezeichnete Nachhaltigkeit

Das Projekt hat auch die Jury der Swiss Plastics Expo 2023 überzeugt und gewann in der Kategorie Nachhaltigkeit im Januar 2023 den begehrten Award. Schwendemann freut sich, dass mit der neuen Smartphone-Schutzhülle von Freitag eine Serienanwendung für das zusammen mit Argo rezyklierte Skischuhmaterial gefunden und gleichzeitig die Nachhaltigkeit der bisherigen Einweg-Smartphonehüllen aus Neukunststoffen gesteigert werden konnte. «Das bedeutet für unsere langjährige Zusammenarbeit mit der Integrationswerkstätte Argo einen Riesenerfolg, weil wir mit Freitag künftig einen Abnehmer im Tonnenbereich für recycelte Skischuhe gewinnen konnten, der daraus stark nachgefragte sinnvolle Upcycling-Produkte herstellt», freut sich Schwendemann.

Das Endergebnis: Eine Handyhülle aus Skischuhabfall und dazu aus Blachen eine Tasche für Karten.
Aus alt mach neu: So wurden aus den Skischuhabfällen neue Kunststoffhüllen und aus den alten LKW-Blachen eine Extratasche, für beispielsweise Kreditkarten.

Zusätzlich wurde durch Freitag ein Rücknahmesystem von ausgedienten F385 CIRC-CASE aufgebaut. Das Retourensystem ermöglicht es den Kundinnen und Kunden, die gebrauchten Handyhüllen wieder zurück in den Produktlebenszyklus zu führen, damit daraus in der existierenden Prozesskette neue Schutzhüllen produziert werden können. Alle beschriebenen Prozessschritte finden ausserdem im Sinne regionaler Produktionswege innerhalb von 150 Kilometern um den Flagship-Store von Freitag in Zürich statt, der die Vertriebszentrale für die neuen Schutzhüllen ist.

Kontakt

Prof. Daniel Schwendemann
IWK Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung
+41 58 257 49 16
daniel.schwendemann@ost.ch