Nummer sechs erfüllt alle Anforderungen
Wie bei innovativen Neuentwicklungen üblich, war der erste Prototyp noch nicht das Gelbe vom Ei. Die mittlerweile sechste Variante seines Konzepts hat Colombo neu am IWK Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung der OST konstruieren lassen. Diesen Entscheid bereut er keine Sekunde. «Jetzt ist endlich alles genau so, wie ich es mir vorgestellt habe», freut sich Colombo.
Die neu entwickelte Plattform lässt sich gleich wie eine übliche Gondel ins Umlaufseil einhängen. Neben Werkzeugen und Material für Wartungsarbeiten wurde auch eine Prüfstation integriert, die zerstörungsfreie Prüfungen von Kernkomponenten wie dem Hauptsicherungsbolzen direkt am Mast ermöglicht. Mit ihrem geringen Gewicht von rund 500 Kilogramm ist die Aluminiumplattform sogar per Helikopter transportierbar und kann auch in abgelegene Seilbahnen weit oben am Berg eingehängt werden. Seit diesem Sommer sind Colombo und seine Mitarbeitenden mit der neuen Plattform in der ganzen Schweiz und ihren Nachbarländern unterwegs.
Einsetzbar für alle gängigen Seilbahntypen
Die schwebende Wartungsplattform ermöglicht es Colombo und seinen wechselnden Teams aus lokalen Seilbahntechnikern, alle Wartungsarbeiten direkt vor Ort durchzuführen, ohne das Seil auszuhängen. Mast für Mast, bis alle Rollenbatterien der Seilbahn wieder in einem guten Zustand sind. Statt teilweise in mehreren Monaten sind die nötigen Arbeiten mit der neuen Plattform «in wenigen Wochen und zu deutlich tieferen Kosten als bisher erledigt», so Colombo. Durch den Einsatz lokaler Fachkräfte kann Colombo zudem die jeweils spezifische Expertise der Region nutzen und gleichzeitig die Wirtschaft vor Ort unterstützen. «Auf dem Berg geht es nur zusammen, deshalb ist mir die Zusammenarbeit mit lokalen Fachleuten sehr wichtig», so Colombo. Ein weiterer grosser Vorteil der Wartungsplattform ist ihre Vielseitigkeit. Sie kann für alle gängigen Umlaufseilbahntypen in Europa genutzt werden. Damit ist die Wartung von verschiedenen Seilbahntypen, angefangen bei kleinen Zwei-Personen-Sesselliften bis hin zu grossen Gondelbahnen, problemlos und ohne grossen Aufwand möglich. Darüber hinaus ist die Plattform in Länge und Neigung sehr flexibel anpassbar, was Arbeiten an steilen wie flachen, an grossen wie kleinen Seilbahnen möglich macht.
Besonders bemerkenswert ist auch die integrierte Prüfstation. Sie ermöglicht zerstörungsfreie visuelle und magnetinduktive Prüfungen von Kernkomponenten wie Stahlbolzen oder Laufrollen. Damit kann die Sicherheit der Seilbahnkomponenten fliessend im laufenden Revisionsprozess direkt am Mast überprüft werden, ohne die Komponenten zu beschädigen.
Rollenbatterien verschieben statt wegfliegen
Die Wartungsplattform besteht aus leichtem Aluminium und wiegt leer nur knapp über 500 Kilogramm. Das ermöglicht den Transport per Helikopter, was die Flexibilität für Wartungsarbeiten noch weiter steigert. Suva-konforme Sicherheitsvorkehrungen waren Colombo ebenfalls wichtig. Der Aufprall eines rund 1,3 Tonnen schweren Testgewichts aus mehr als zwei Metern Höhe konnte der robusten Struktur der Plattform nichts anhaben. Lediglich einige Geländer wurden verbogen, die Plattform selbst blieb unbeschädigt.
Verantwortlich für die robuste und vielseitige Konstruktion sind Projektleiter Mike Zahner vom IWK an der OST sowie Statiker Marcel Volmer. «Die Verschmelzung des jahrzehntelangen Expertenwissens von Stephan Colombo mit modernen Konstruktionsmethoden war eine motivierende Herausforderung», so Zahner. Mit der Wartungsplattform wurde für Seilbahnbetreiber eine effiziente und sichere Lösung für die Wartung und Prüfung geschaffen. Die neue Plattform vereinfacht den Wartungsprozess, spart Kosten und Zeit und trägt zur Sicherheit und Zuverlässigkeit der Seilbahnen bei. Dass das auch im Interesse der Seilbahnbetreiber liegt, zeigte sich bereits nur wenige Monate nach Fertigstellung der Wartungsplattform. An Aufträgen mangelt es nicht.
Kontakt
Prof. Dr. Gion Andrea Barandun
Leiter Fachbereich Faserverbundtechnik/Leichtbau
IWK Institut für Werkstofftechnik und Kunststoffverarbeitung
+41 58 257 47 79
gion.barandun@ost.ch



