Kompetenzzentrum will etwas ändern
Dabei ist die Bandbreite der psychischen Beeinträchtigungen sehr breit gestreut. Es geht nicht nur darum, einfach mal einen schlechten Tag zu haben. Wie diffizil das Thema ist, lässt sich an der Aussage Stadtmanns festmachen, wenn er sagt: «Es gibt verschiedene Sichtweisen. Das klinische Vorhandensein der Diagnose einer psychischen Beeinträchtigung bedeutet nicht automatisch, dass die betreffende Person auch krank ist.» Und hier setzt das Kompetenzzentrum an, wie Stadtmann ergänzt: «Es geht um eine ganzheitliche Sichtweise und eine Stärkung der Selbstbestimmung.» Zum Beispiel weiss man schon lange, dass es keine körperliche ohne psychische Gesundheit gibt. Doch dies ist oft als Standardsatz stehen geblieben. Dies will das Kompetenzzentrum der OST ändern.
Letztlich geht es bei der Arbeit um wesentlich mehr als die psychische Gesundheit einzelner Personen. «Unsere Gesellschaft muss leistungsfähig sein und bleiben, und dies geht nur über eine nachhaltig gesunde Gesellschaft.» Doch wie wird die psychische Gesundheit genau beeinträchtigt? Dies ist eben nicht einfach an
ein oder zwei Beispielen erklärt. Dazu spielen viel zu viele Faktoren eine Rolle. Der grösste Teil der Menschen würde sicherlich Stress als Hauptursache vermuten. Doch auch hier differenziert Stadtmann: «Stress ist nicht per se ein negativ behafteter Begriff. Ein gewisses Mass an Stress braucht jeder Mensch, um produktiv und leistungsfähig sein zu können. Wenn der Stress jedoch zu viel wird, hat er durchaus einen direkten Einfluss auf die psychische Gesundheit.»
Forschung soll in die Praxis einfliessen
Mittelfristig geht es um die sechs strategischen Felder, die definiert wurden und die Basis der täglichen Arbeit bilden. Hier sind erfreulicherweise bereits einige Projekte aufgegleist worden, die zeigen, dass das Interesse am Kompetenzzentrum Psychische Gesundheit gross ist. So sind im Bereich der schweizweiten Psychiatrien bereits viele Praxispartner mit an Bord und die Zusammenarbeit mit somatischen Spitälern oder Organisationen wie der Spitex wird nach und nach intensiviert.
Und auch das langfristige Ziel schwebt Stadtmann bereits klar vor. «Unsere Forschung soll direkt in die Praxis einfliessen, beispielsweise für Personen, die bereits betroffen sind, oder deren Angehörigen. Damit soll die Versorgungssituation verbessert werden.» Gerade Angehörige betroffener Personen gehen in der Betrachtung oftmals vergessen. Zum Beispiel kann die emotionale Unterstützung der betroffenen Person zusätzlich zu den regulären Familienpflichten zeitintensiv sein. Dies kann wiederum dazu führen, dass Angehörige ihren eigenen Interessen nur noch begrenzt nachgehen können und dies als Verlust erleben. Als Folge davon können Angehörige eine schlechtere Lebensqualität erfahren. Das Kompetenzzentrum leistet hier bereits einen Beitrag, um Angebote, Programme und Bedürfnisse der Angehörigen zu erforschen. Damit werden die Gesundheit und Lebensqualität der Angehörigen sowie der Betroffenen gefördert.
Und da wir an dieser Stelle nur einen Bruchteil dessen streifen können, was die Arbeit von Prof. Dr. Stadtmann und seinem Team umfasst, wäre es umso schöner, wenn sich Betroffene, Angehörige oder generell an diesem Themengebiet Interessierte direkt an das Kompetenzzentrum wenden. Die Tür steht offen.

Kontakt
Prof. Dr. Manuel P. Stadtmann
Departement Gesundheit, Leiter Kompetenzzentrum Psychische Gesundheit
+41 58 257 14 04
manuel.stadtmann@ost.ch