Gewicht spielt nicht die Hauptrolle
Auch der Leichtbau spielt eine Rolle, welche das Beispiel der Elektromobilität anschaulich macht: So wiegt ein Lithium-Ionen-Akku, die derzeit vorherrschende und fast alternativlose Technologie, in einem reinen E-Fahrzeug doch teilweise bis zu 700 kg – ein Gewicht, das erst einmal bewegt werden muss. Laut Christen und Rizzo wird der Lithium-Ionen-Akku mittelfristig noch vorherrschen, auch wenn parallel an Alternativen wie Feststoffbatterien massiv geforscht wird, da diese leichter sind und mehr Reichweite versprechen. Wobei man dazu sagen muss, dass das Gewicht nicht allein der entscheidende Faktor ist, spielen bei einem E-Fahrzeug doch auch Effizienz und Rekuperation (Energierückgewinnung durch Bremswirkung des Elektromotors) eine entscheidende Rolle.
Zudem geht es um Begriffe wie Energie- und Leistungsdichte der Gesamtbatterie. Bei Ersterer handelt es sich um die speicherbare Energie pro Kilogramm oder Volumeneinheit (Wh/kg oder Wh/l). Die zweite Dichte gibt an, wie viel Leistung der Akku pro Kilogramm (W/kg) abgeben kann.
Selbst entwickelte Versuchseinheiten
Und genau hier liegt die Stärke des «Batterielabors». «Wir verstehen, wie eine Batterie funktioniert, und können aus unseren Test- und Messergebnissen die richtigen Schlüsse ziehen. Die Herausforderung besteht darin, die Messung von Temperatur und Wärmestrom hochgenau und ortsaufgelöst vorzunehmen, ohne das thermische Verhalten des Versuchskörpers zu beeinflussen», so Rizzo.
Und dabei hat das Team des EMS die Nase weit vor der Konkurrenz. Nicht ohne Stolz präsentieren Rizzo und Christen ihre Versuchseinheiten, die selbst entwickelt wurden. Jahrelange Tüftelarbeit und «viel, viel Lehrgeld», wie Rizzo mit einem Lachen bestätigt, stecken in den Apparaturen, die auf den ersten Blick sehr unscheinbar aussehen. Doch das Geniale steckt wie so oft im Detail. «Wir sind beispielsweise in der Lage, gezielt die thermischen Randbedingungen auf der Zelloberfläche zu beeinflussen», beschreibt Christen und ergänzt: «Hiermit sind wir auf der ganzen Welt wirklich einzigartig. Uns ist keine weitere Institution bekannt, die dies in der Praxis auf diese Weise umgesetzt hat.»
Die Anlagen und Methoden, die dabei zum Einsatz kommen, wurden auch bereits mehrfach in der Fachpresse aufgenommen und fanden internationale Beachtung. Eine schöne Anerkennung für die Pionierarbeit, die hier geleistet wurde und wird.
Wobei die Forschung nur ein grosses von mehreren Gebieten ist, in denen sich das EMS und die Batterieforschung anerkannte Expertise aufgebaut haben. «Im Bereich der Dienstleistung sind wir ebenso ein anerkannter Partner für Unternehmen aus den verschiedensten Branchen», erklärt Christen. Und Kollege Rizzo öffnet passend eine weitere Messeinrichtung, bei der von einem renommierten Unternehmen ein weiteres wichtiges Bauteil für die E-Mobilität aus einem Elektro-Lastwagen auf Herz und Nieren geprüft wird. Da die Hersteller im Konkurrenzkampf immer extremere Belastungen versprechen (müssen), sollten diese aber im Vorfeld auch entsprechend verifiziert werden. In diesem speziellen Fall können Christen und Rizzo bestätigen, dass «dieser Hersteller nicht zu viel versprochen hat».
Kontakt
Rouven Christen
EMS Institut für Entwicklung Mechatronischer Systeme, Dozent für Mechatronik
+41 58 257 34 35
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